Wieder mal ein Visarun mit Schwierigkeiten

Alle drei Monate muss man sein Visum erneuern. Wenn man keine Ganzjahresvisum hat, muss man dazu Thailand verlassen und einen neuen Visumsantrag stellen. Daraus hat sich eine Riesenindustrie entwickelt wo sehr viel Geld im Spiel ist.
Also nicht nur der Staat kassiert für die Visa, sondern auch Reisefirmen, die sich eben speziell auf solche Visaruns spezialisiert haben. Aber natürlich auch eine ganze Reihe an Hotels jenseits der thailändischen Grenze in Orten mit Konsulaten oder Botschaften.
Mein Jahresvisum läuft nun per Ende Februar aus und da ich ja noch etwas länger bleibe, muss ich halt eben auch dieses Theater wieder mal mitmachen.
Diesesmal scheint aber der Trip unter einem schlechten Stern zu stehen.
Nachdem meine Buchhalterin, die sich um die ganzen Papiere kümmert, mit einem Tag Verspätung bei mir im Büro auftauchte, stellte sie auch noch fest, das es anscheinend Papiere in den Geschäftsunterlagen gebe, die alle 6 Monate erneuert werden müssten.
Davon habe ich noch nie etwas gehört und bei den Visumsanträgen vorher war das auch noch nie ein Problem.
Trotz meiner Zweifel, bestand sie darauf, das das nun mal so sei und sie diese Papier noch austellen lassen müsste. Es ging aufs Wochenende zu und ich ahnte schon, das es diesmal Schwierigkeiten geben könnte.
Sie hat mir versprochen, das ich am Montag, wenn ich Pinang in Malaysien sein werde, die Papiere per Email bekommen, ausdrucken und unterschreiben kann für den Antrag.
Am Samstag brachte sie mir dann alle anderen Papiere (etwa 30 Seiten, die ich alle einzeln unterschreiben musste) vorbei.
Am Sonntag Abend ging dann die Reise los. Der Minivan, der mich abholen sollte war schon 45 Minuten vor der abgemachten Zeit da und wartete bereits, als ich zum vereinbarten Treffpunkt kam.
Naja, dann fährt er etwas weniger schnell als ein Möchtegern Rennfahrer.
Unter den Fahren gibt es manchmal eine Wette, wer die Strecke von Phuket zur Grenze im Süden am schnellsten schafft. Seit sie aber in Gruppen mit mehreren Vans fahren hat sich das zum Glück weitgehenst erledigt, weil sich immer alle an den selben Stellen treffen für die Tankstopps.
An der Grenze ist es sowieso egal, wer als Erster dort ist, denn die Grenze wird erst um 5 Uhr aufgemacht.
Also dort angekommen gehts dann erst mal in die Schlange mit all den anderen Visarunnern für die Ausreise. Meist sind es etwa gegen 250 Personen die am Morgen die Grenze überschreiten und durch die Immigration müssen. Dazu kommen dann immer ein paar Deppen, die einen Overstay haben, also länger als das Visum im Land waren.
Die werden dann gesondert bearbeitet, mit einem Gespräch bei einem Offizier, dann Formulare ausfüllen, eine Busse bezahlen (pro Tag darüber 500 Baht, etwa 15 Franken). Dazu einen Overstay Stempel im Pass und noch einen erhobenen Mahnfinger vom Offizier oben drauf.
Das ganze ist für die anderen Fahrgäste mühsam, weil dieser Prozess mehr Zeit kostet, und alle anderen warten müssen.
Neu war diesmal, das man gleich nach der Grenze, wenn man müde ist (man ist ja schon fast 9 Stunden im Van gewesen) gleich das Visumsformular ausfüllen und den Pass dazu geben muss.
Auch darf man gleich die Visumgebühr bezahlen, ganz gleich, ob man das Visum bekommt oder nicht. Man kann sich auch nicht mehr beraten lassen um das geeignete Visum zu beantragen. Meiner Meinung nach eine neue Abzockmethode und fraglich. Ob es legal ist. Denn die Fahrer sind keine Regierungsangstellten mit Befugnissen und der Pass ist Staatseigentum der nur den Behörden oder Botschaften übergeben werden darf. Da werde ich mich mal noch erkundigen.
Auf jeden Fall sind wir recht zügig über die Grenze gekommen und am späteren Vormittag im Hotel in Pinang angekommen.

Das Feuerwehrhaus in Pinang

Endlich wieder Internet - und wie geahnt, keine Email mit den fehlenden Papieren.
Also Anruf in Thailand. Mit dem Schweizer Handy, weil das Guthaben auf der Thainummer nicht gereicht hätte.
Meine Buchhalterin sagt, sie sei auf dem Büro welches die Papiere ausstellt, aber das System sei grad abgestürzt und sie fahren alles wieder hoch. Also warten. Dazu kam die eine Stunde Zeitverschiebung und das Konsulat schliesst mittags um zwölf - super.
Der Konsulatsmitarbeiter hat mich schon auf den letzten Platz der Liste gesetzt um Zeit zu gewinnen. Aber er war schon sichtlich genervt. Und ich - keine Papiere.
Weitere Anrufe, um Druck zu machen. Meine Buchhalterin fängt an zu weinen und hängt wieder auf.
Mein Blutdruck steigt. Der Mann vom Konsultat kommt zu mir und meint, es sei jetzt zu spät. Er schliesse den Schalter. Toll, jetzt stehe ich ohne Visum da und habe dafür aber bezahlt.
Nach weiteren Kurznachrichten an meine Buchhalterin immer noch keine Reaktion, geschweige denn Papiere.
Der Konsulatsmitarbeiter sieht, das ich langsam aber sicher vor einem Kollaps stehe und schlägt mir vor, das ich für eine kleine Extragebühr vielleicht doch ein Visum bekommen kann.
Ich gebe ihm mein letztes Bargeld. Dann erklärte er mir, das er eigentlich nur ein Papier braucht, wo die Namen und die Adressen der Firmenpartner drauf sind. Das würde bereits genügen. Ich hab den Laptop nicht dabei und kann diese Papiere natürlich nicht ausdrucken weil nicht dabei.
Meine Buchhalterin kann es auch nicht, da sie ja auf dem Amt ist und wartet.
Dann fällt mir mit meinen letzten Nevern noch ein, das ich ja noch das Firmenzertifikat habe, mit dem ich für die Firma ohne Mehrwertsteuer einkaufen kann.
Der Mitarbeiter vom Konsulat verschwindet kurz, macht eine Kopie davon und ist der Ansicht, mit etwas Glück könnte es klappen.

Völlig erschöpft, ohne Bargeld und mit den Nerven am Ende bezog ich dann das Zimmer.
Ich nahm ein Dusche und fiel dann erst mal aufs Bett. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich mich das letzte mal so aufgeregt habe, das es sogar auf meinen Körper Einfluss hatte. Mir war schlecht, mein Herz raste und ich war rastlos. Ich hänge in der Luft und habe keine Ahnung wie es weitergehen sollte. Alles was ich tun konnte, war warten auf morgen.
Ich legte mich etwas hin, und versuchte, dieses Durcheinander zu ordnen und eine Lösung zu finden. In dem Moment schien alles, wofür ich gekämpft und gearbeitet habe den Bach runterzugehen. Und das nur, weil meine Buchhalterin unzuverlässig ist.
Das weinen hat zumindest meine Anspannung gelöst. Ich entschied mich dann, doch noch mit der Kamera in die geschützte Altstadt von Pinang, also Georgetown zu gehen und ein paar Fotos zu machen.
Als ich das Zimmer von aussen abschliessen wollte, stellte ich fest, das ich es gar nicht abschliessen kann, weil der Schlossbolzen gar nicht erst ins Schlossblech passt - Super - also wieder ins Zimmer und alle Wertsachen in den Rucksack packen.
Noch völlig eingenommen von dem ganzen Ärger lief ich die Strasse entlang durch Georgetown.

Auf einmal hielt ein asiatischer Mann mit einem Scooter vor mir an:
"Hallo, du siehst aus, als ob du Fotos machen möchtest und dir alles ansehen willst. Wir könnten es ja zusammen tun, dann ists weniger langweilig. Keine Sorge, es ist gratis, ich bin auch Tourist und erkunde die Gegend. Allein machts keinen Spass."
Erst noch sehr skeptisch, sagte ich dann zu und stieg bei ihm hinten auf den Scooter auf. Was kann noch passieren, der Tag war eh zum wegschmeissen.
Und so fuhren wir dann zusammen durch Georgetown und machten Fotos wie die Klischeetouristen.
So einen zufriedenen Menschen wie diesen Patrick habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Mit seiner Lumix Kamera hat er einfach alles und jeden fotografiert. Und immer wenn er abgedrückt hat, sagte er selbst immer "Click".

Hier in Little India, Georgetown

Ein Strassenzug in Little India, Georgetown


Aber nicht nur die Briten, sondern auch die Chinesen hinterliessen einen rechten Einfluss. Hier in Chinatown, Georgetown.



Der Zeitturm im Hafen

Einer der grossen Stege, wo man die grossen Kreuzfahrtschiffe besteigen kann.

Rikscha-Taxi in Georgetown

Nachdem nun Patrick und ich durch Georgetown und etwas durch Pinang gefahren sind, lud er mich noch auf ein Essen in einer Quartierstrasse ein. Erst da habe ich ihm dann von meinem Tag erzählt und er hörte mir die ganze Zeit aufmerksam zu. So konnte ich mir den ganzen Tagesärger von der Seele reden.
Er selbst ist Australier und gerade auf Kundentour durch Asien.
Manchmal glaube ich, das ich an dem Tag einem guten Geist in Form von Patrick begnenet bin....

Am nächsten Tag gehts dann darum, sich reisefertig zu machen und darauf zu warten bis um ca. 12 Uhr mittags die Pässe vom Konsulat geliefert werden.
Entsprechend nervös war ich dann schon, als ich meinen Pass in Empfang nahm,
ihn aufmachte - und drin war ein Business Visum für weitere 3 Monate.
Die Rückreise verlief dann völlig normal und ohne spezielle Ereignisse. Einzig das wir fast 3 Stunden später ankamen als geplant. Aber nach dem, was in den letzten 48 Stunden passierte, nahm ich das nicht einmal mehr richtig zu Kenntnis. Einfach mal heim, Duschen und ins Bett.

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